Samstag, 17. April 2010

Social Suicide

Das Internet hat sich mit dem sogenannten Web 2.0 in eine Richtung verändert, die dem Nutzer deutlich mehr abverlangt als nur die Bereitschaft zur passiven Rezeption. Es wurden soziale Plattformen geschaffen, die moderne Kommunikation effektiv verwalten können.

Auf Dauer zeigte sich aber auch, dass diese Systeme den Anwender mit einer gehörigen Portion Zwang belegen. Ein Profil ähnelt einer Identität, es hat Kontakte und eine mitunter hohe Wichtigkeit für seinen Wirt.

Dummerweise gehört das Profil einer kommerziellen Firma, die damit ganz gerne Geld verdienen möchte. Spinnt man diesen Gedanken weiter, so kommt man zu dem Ergebnis, dass eine Mitgliedschaft in diesen Gemeinschaften irgendwann mit einer Abhängigkeit einhergeht: Je mehr "Freunde" man hat, desto tiefer hängt man im Geflecht.
Der Anbieter freut sich drüber: Wer seine Daten nicht verschenkt, riskiert die soziale Isolation, und außerdem steht der Server ja nicht in Deutschland, daher kann der Verbraucherschutz brabbeln was er will. Als ob sich die Politik mit Millionen willigen Nutzern anlegen würde...

Aber überhaupt: Wie mächtig ist eine Firma, die etwa 400 Millionen virtuelle Identitäten besitzt, jeden davon mit einem enormen Stellenwert für die einzelne Person?
Ich finde das nicht mehr so gut, deshalb werde ich meine virtuellen Wert reduzieren: In einem Akt des digitalen Ungehorsams habe ich sämtliche Verbindungen zu sozialen Netzwerken gekappt.

Der soziale Suizid klappte beim StudiVZ übrigens ganz ausgezeichnet: Ein Klick und weg war ich.
Das Facebook zeigte sich eher von seiner dunklen Seite: Eine Funktion zum Löschen des Accounts gibt es nicht. Wa? Tatsache, man kann sich nur selber "deaktivieren", bleibt aber im System. Könnte man jetzt als ziemliche Frechheit werten, aber vermutlich ist das nach den Gesetzen des Landes, in dem die Server stehen, noch irgendwie legal.

Eine Recherche in triefigen Bereichen des Netzes hat einen Giftcode ergeben: Über diesen Link lässt sich das Profil dauerhaft löschen. Interessierten Personen schicke ich die mächtigen Lettern gerne analog per Brief. Trotzdem reaktiviert sich mein Account, falls ich mich in den nächsten 14 Tage nochmal einloggen sollte.
Bis dahin bin ich also noch als digitaler Zombie unterwegs, Sie können ja derweil auf "weitersagen" klicken.

1 Kommentar:

  1. Sehr mutig sich einfach den virtuellen Gesetzen zu wiedersetzen. Ich bin selbst auch kein Mitglied solcher Sekten, denn ich habe nicht vor mein Leben nach Nullen und Einsen zu definieren.
    Trotzdem ist es doch irgendwie sinnig: Der Mensch liebt es sich selbst darzustellen und das am besten in einem möglichst schmeichelnden Licht. Und wo ginge dies besser, als im Internet? Ein schönes Foto von der Schokoladenseite und dann noch ein netter Kosename, der in Wirklichkeit vielleicht nur halb so schmeichelhaft ist. Auch wenn es dann das Foto von vor viel Jahren ist, auf dem man noch 30 Kilo leichter ist, hat man meist sein Ziel erreicht: Sie haben 355 neue Freundeanfragen.

    Ist das nicht Zauberhaft? Vor allem wenn man bedenkt, dass in der Realität nur noch Maus, Katze und Hund da sind?

    Also noch einmal! Herzlichen Glückwunsch zu diesem bedeuteten Schritt, der nur noch wenigen Süchtigen unserer Welt möglich ist. Übrigens für solche, die es unfreiwillig tun müssen: Vielleicht gibt es ja bald Selbsthilfegruppen für Twitter und Facebooksüchtige? Vielleicht sogar auf einer Online-Plattform?

    Was lernen wir daraus? Menschen sind unverbesserlich.
    Sei froh das du den Absprung geschafft hast und deine Seele vielleicht noch gerade rechtzeitig aus dem Fegefeuer retten konntest ;)
    Bleib die zwei Wochen stark!

    Liebe Grüße,
    eine Gleichgesinnte

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