Mittwoch, 13. Januar 2010

Sozialer Tunnelblick in den Spiegel

Hermann hat schon recht, man muss das Kind beim Namen nennen, auch wenn es hässlich ist.
Bei dem Buch handelt es sich um den Titel "Lohas: Bewusst grün - alles über die neuen Lebenswelten" von Anja Kirig und Eike Wenzel. Genau so schlimm ist aber auch die Webseite www.lohas.de (man beachte die Beiträge zwischen den farbenfrohen Werbeanzeigen).
Sieht alles irgendwie aus, als ob damit prima Geld verdient wird.
Nur für den Fall, dass sich ein Leser von winterorbit.de mal selber ein Bild machen möchte.

Ganz schön wütend, der Beitrag von gestern, was? Geht aber auch nicht anders, es läuft mir einfach kalt den Rücken runter, wenn ich so einen Unsinn lesen muss.
Es folgt ein kurzer Versuch, die an die Wand gemalte Lohas-Kultur noch einmal mit eigenen Worten zusammenzufassen.

  • Man kann die Welt retten, indem man die richtigen Produkte kauft.
  • Eine positive Grundhaltung zu Industrie und Marketing ist ein Garant für soziale Anerkennung.
  • Mit den richtigen Produkten grenzt man sich positiv von Menschen ab, die die Welt nicht retten wollen.
  • Gesunde Lebensmittel haben einen positiven Nutzen für denjenigen, der sie verzehrt; der Anbau von Bio-Nahrungsmittel ist daher zu unterstützen.
  • Wenn die Welt gerettet ist, ergeben sich dadurch persönliche Vorteile.
  • Grenzenloser Konsum erhöht somit nicht nur den sozialen, sondern auch den moralischen Status des Konsumenten.
So in etwa kann man die Lohas-Kultur wohl zusammenfassen. Klingt doch supertoll. Ich hätte auch gleich noch ein paar Vorschläge:

  • Wir kaufen uns ein billiges Land in Afrika um dort günstig Bio-Südfrüchte zu produzieren.
  • Wir verschenken Bio-Suppenwürfel an Armenküchen, damit die Leute dort auch zufriedener mit sich werden.
  • Wir schaffen die zweite Klasse in Flugzeugen ab. So lässt sich CO² einsparen und die anstrengenden Flugreisen werden auch viel angenehmer. Auf den Urlaubsfotos sind dann auch weniger Pauschaltouristen vor den Tempelanlagen zu sehen.
Weitere Vorschläge? Diskussionsanmerkungen?

Kommentare:

  1. Wäre es nicht sinnvoll, eine weltweit gültige, einheitliche LOHA-Währung einzuführen, z.B. bestehend aus (gerne auch virtuellen bzw. online-) Blankoschecks?
    Der LOHA-Anbieter könnte somit unabhängig und vor allem nachhaltig den angemessenen Betrag für den Fair-Trade abbuchen.

    Namensvorschlag: "Ablassbrief".

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  2. Das halte ich für eine ausgezeichnete Idee.
    Man müsste allerdings auch eine entsprechende Bank gründen, die nachhaltig arbeitet und ihre Werbebroschüren auf Recyclingpapier druckt. Die könnte dann z.B. "Good Bank" heißen.

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